An diesem Samstag, 14 Uhr, startet für Aufsteiger Alemannia Aachen im Westschlager bei Rot-Weiss Essen die "Mission Klassenverbleib" in der 3. Liga. Für Aufstiegstrainer Heiner Backhaus (42) ist es eine besondere Partie, weil er als A-Jugendlicher bei RWE den Sprung in den Profibereich geschafft hatte. Der gebürtige Wittener ist aktuell einer der 17 Teilnehmer, die am 70. Pro-Lizenz-Lehrgang am DFB-Campus in Frankfurt dabei sind und die höchste Trainer-Lizenz anstreben. Im Interview mit der "kurzen fuffzehn" spricht Heiner Backhaus über seinen früheren Verein, die Saisonziele und unverhandelbare Dinge.
Herzlich willkommen zurück an der Hafenstraße, Herr Backhaus! Gleich das erste Punktspiel nach der Rückkehr in die 3. Liga führt Alemannia Aachen zu Ihrem Ex-Klub Rot-Weiss Essen. Wie denken Sie an Ihre Zeit als Spieler an der Hafenstraße zurück?
Heiner Backhaus: Ich freue mich unglaublich auf die Partie, weil meine Zeit bei RWE sehr emotional war. Ich habe als A-Jugendlicher den Sprung in den RWE-Profikader geschafft.
Woran erinnern Sie sich besonders gerne?
Ich war damals noch sehr grün hinter den Ohren, hatte mit Klaus Berge aber einen Trainer, der mich sehr gefördert hat. Ich bin damals mit der S-Bahn und mit dem Bus zum Training gefahren, war wegen der ungünstigen Verbin- dungen fast immer eine Stunde früher in der Kabine, habe den damaligen Betreuern Gün ter Barchfeld und Herrmann Pickenäcker bei den Trainingsvorbereitungen geholfen. (lacht) Wir hatten damals mit Typen wie Olaf Skok, Sascha Wolf oder Helmut Rahner eine extreme Hierarchie in der Mannschaft. Ich hielt meine Klappe und gab alles, um Spiele zu gewinnen. Dadurch wurde ich schnell akzeptiert.
Welchen Eindruck haben Sie vom aktuellen RWE-Team?
Die Essener Mannschaft hat mehr DrittligaErfahrung, ist uns auch individuell einen Schritt voraus. Wir sind Herausforderer, haben aber auch ein brutal starkes Kollektiv und werden mit allen Mitteln dagegenhalten.
Wie gut ist Ihre Mannschaft vorbereitet?
Wir haben bei der 0:1-Testspielniederlage gegen den Bundesligisten VfL Bochum und auch beim 1:2 gegen den niederländischen Zweitligisten Roda JC Kerkrade starke Leistungen gezeigt. Die Art und Weise, wie wir bislang aufgetreten sind, macht große Lust auf den Westschlager in Essen. Wir haben viel zu gewinnen und wenig zu verlieren.
Worauf wurde während der Vorbereitung neben der Integration der Neuzugänge der Fokus gelegt?
Die größten Unterschiede zwischen der Regionalliga und der 3. Liga sind die körperliche Fitness und das Tempo. Die Wucht und Robustheit sowie das Sprintvermögen der einzelnen Teams entscheiden am Ende oft über Sieg oder Niederlage. Deshalb haben wir ausschließlich Spieler geholt, die läuferisch und körperlich die Voraussetzungen mitbringen, um in dieser herausfordernden Spielklasse mithalten zu können.
Alemannia Aachen ist erstmals seit elf Jahren wieder in der dritthöchsten deutschen Spielklasse vertreten. Was bedeutet das für den Klub und das Umfeld?
Unseren Fans ist nach dem Aufstieg eine Last abgefallen. Elf Jahre nur in Nordrhein-Westfalen zu spielen, ist für einen Traditionsverein wie Alemannia Aachen hart. Wir haben bereits knapp 17.000 Dauerkarten verkauft, was die Lust auf überregionalen Fußball eindeutig dokumentiert. Mit diesem Zuspruch ist allerdings auch eine gewisse Erwartungshaltung verbunden. Wir gehen demütig an die neue Aufgabe heran, müssen erst einmal in der Liga ankommen.
Zuletzt haben mit dem SSV Ulm 1846 Fußball und dem SC Preußen Münster gleich zwei Aufsteiger aus der Regionalliga den Durchmarsch in die 2. Bundesliga geschafft. Ist ein solches Szenario auch in Aachen denkbar?
Denkbar ist alles. Wenn wir über Ulm und Münster reden, sollten wir aber auch den VfB Lübeck nicht vergessen, der als Aufsteiger sofort wieder runtergegangen ist. Unser klares Ziel ist erst einmal, den Klassenverbleib so früh wie möglich zu sichern. Wenn wir alles investieren, haben wir gute Chancen, in der Liga zu bleiben.
Was erwarten Sie beim Auftaktspiel in Essen von Ihrer Mannschaft?
Ich hoffe, dass wir unsere Emotionen im Griff behalten, weil uns ein intensives Spiel bevorsteht. Was Einsatzwillen und Laufbereitschaft anbelangt, musste ich meinem Team aber noch nie etwas vorwerfen.