Mehr Tradition geht kaum! Mit Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen stehen sich an diesem Samstag, 3. August, ab 14 Uhr zum Saisonauftakt in der 3. Liga nicht nur zwei ehemalige Bundesligisten im Stadion an der Hafenstraße gegenüber. Die beiden Klubs trafen 1953 in Düsseldorf im Endspiel um den DFB-Pokal aufeinander, RWE siegte 2:1. Nach zahlreichen Duellen in der Regionalliga West kommt es jetzt erstmals in der eingleisigen 3. Liga zum direkten Vergleich, denn die Alemannia schaffte zwei Jahre nach den Rot-Weissen den Sprung in die dritthöchste deutsche Spielklasse. Wie immer stand "Dabro" der Redaktion der "kurzen fuffzehn" vor dem Anpfiff ausführlich Rede und Antwort.
Hallo Dabro! RWE schloss die Vorbereitung mit einem achtbaren 1:2 gegen den Doublesieger Bayer 04 Leverkusen ab. Wie zufrieden warst Du mit dem Auftritt?
Christoph Dabrowski: Es war ein sehr guter Härtetest auf hohem Niveau. Wir wurden maximal gefordert, das war uns natürlich auch klar. Man hat die Qualität und Ballsicherheit der Leverkusener gesehen. Wir standen defensiv total kompakt, gerade in der ersten Halbzeit. Die Entstehung der beiden Gegentore war gerade deshalb sehr ärgerlich. Insgesamt haben wir viele gute Ansätze gesehen, auf denen wir aufbauen können.
Wie fällt insgesamt Dein Fazit nach der Saisonvorbereitung aus?
Ich denke, dass wir uns von Woche für Woche schrittweise weiterentwickelt haben. Die Struktur und die Raumaufteilung sowie das Gegenpressing gegen einen kompakt stehenden Gegner sind da. Was zuletzt noch fehlte, ist die Durchschlagskraft im Offensivbereich. Jetzt gilt es, mit der nötigen Frische, Konsequenz und Zielstrebigkeit nach vorne zu spielen.
Das Stadion an der Hafenstraße wird beim Klassiker gegen Alemannia Aachen ausverkauft sein. Worauf dürfen sich die Fans auf dem Platz freuen?
Es wird mit Sicherheit ein sehr emotionales und leidenschaftliches Duell werden. Wir freuen uns sehr darauf und werden alles geben, um möglichst mit einem Heimsieg zu starten.
Die Aachener sind nach elf Jahren in der Regionalliga West in die 3. Liga zurückgekehrt. Siehst Du Parallelen zu RWE?
Definitiv. Auch in Aachen ist die Euphorie nach dem Aufstieg riesig. Nach meinem Kenntnisstand wurden mehr als 15.000 Dauerkarten verkauft, zu den Heimspielen werden jeweils an die 30.000 Fans kommen. Das ist schon eine große Wucht.
Wohl nur selten war eine Voraussage so schwierig wie diesmal. Welche Klubs sind Deine Favoriten auf den Aufstieg?
Ich gehe davon aus, dass Dynamo Dresden, der FC Hansa Rostock und der 1. FC Saarbücken gute Chancen haben. Dafür sprechen die wirtschaftlichen Voraussetzungen aller drei Klubs, die getätigten Transfers, aber auch die Tradition und die Unterstützung der Fans.
Während der Vorbereitung hat RWE in der Abwehr oft mit einer Dreierkette operiert. Wird dieses System jetzt auch zur Dauerlösung?
Eines vorweg: An unserer Spielidee ändert sich nichts, wenn wir mit einer Dreier- statt mit einer Viererkette agieren. Wir wollen so oder so unser Spiel von hinten heraus durch kurze Pässe aufbauen, den Gegner im Zentrum zusammenziehen und dann über außen durchbrechen. Daran ändert die jeweilige Grundordnung nichts. Aktuell ist es so, dass mir mit unseren beiden Zugängen Michael Schultz und Tobias Kraulich sowie José-Enrique Rios Alonso, der in der Vorsaison eine unserer größten Konstanten war, drei herausragende Innenverteidiger zur Verfügung stehen. Ich tue ich mich schwer damit, einen von ihnen auf die Bank zu setzen. Ich habe die besten Spieler lieber auf dem Platz.
Für die Offensive wurde wenige Tage vor dem Saisonstart der erfahrene Ahmet Arslan vom Zweitligisten 1. FC Magdeburg verpflichtet. Was versprichst Du Dir von ihm?
Ich freue mich sehr, dass der Wechsel von Ahmet zu uns funktioniert hat. Er bringt sehr große Qualitäten mit und war noch in der vorletzten Saison Torschützenkönig in der 3. Liga. Von seiner Position hinter den Spitzen kann er seine Torgefahr sehr gut einbringen und wird uns damit enorm weiterhelfen.